Seit Anfang Oktober 2004 habe ich meinen zweiten Blindenführhund, einen blonden Labrador Retriever namens Urak, der in der folgenden Blindenführhundschule in Frankreich ausgebildet wurde:
Centre Paul Corteville Woippy
10 route de Thionville - Parc de Varimonts
F-57140 WOIPPY
(Woippy ist ein Vorort von Metz)
Um den für mich am besten geeigneten Hund zu finden, wollte diese Blindenführhundschule zuerst ein vollständiges Bild von mir und meiner Lebensgewohnheiten haben. Sie lud mich zur Besichtigung ihrer Räumlichkeiten ein und stellte mir Fragen betreffend meiner Berufstätigkeit, meiner Mobilität, meiner Vorlieben und meiner Bedürfnisse für einen Hund.
Der Führhundausbilder erklärte mir, dass eine gute Beziehung zwischen Halter und Hund von ihrer Anpassungsfähigkeit, ihres gegenseitigen Vertrauens und ihrer Zusammenarbeit abhängt und dass bei der Auswahl eines Hundes auch mein Temperament, mein Gehtempo, meine Größe und mein Gewicht berücksichtigt werden.
Urak wurde am 4. April 2003 in der Züchterei CESECAH (Centre d'Etudes de Sélection et d'Elevage de Chiens Guides pour Aveugles et Handicapés) in Frankreich geboren. Er war nicht wie üblich in einer Patenfamilie, sondern nach der Entwöhnung von der Muttermilch kam er sofort in die Führhundschule. Man erklärte mir, dass das ein Versuch gewesen sei, um zu testen, ob auf diese Weise Hunde schneller ausgebildet werden können. In der Tat erhielt ich Urak im Alter von 1,5 Jahren. Main erster Führhund Laos hingegen war erst im Alter von 2,5 Jahren zu mir gekommen.
In der Führhundschule lernte Urak:
Seitdem ich Urak habe, hat sich mein Leben wieder schlagartig verändert. In den sechs Monaten davor, wo ich ohne Hund war und ich mich mit dem Blindenlangstock fortbewegen musste, machte ich keine Spaziergänge mehr, sondern lief nur noch die für mich notwendigen Strecken. Das Gehen mit dem Langstock erfordert viel mehr Konzentration und ich vermisste während dieser Zeit zunehmend die Möglichkeit, locker spazieren zu gehen.
Zwischen Urak und mir hat sich genauso eine innige Freundschaft entwickelt, wie sie davor zwischen meinem ersten Führhund und mir bestanden hat. Durch Urak bin ich wieder flexibler und mobiler geworden, kann mich besser in einer fremden Umgebung orientieren, kann mich beim Gehen wieder mehr entspannen und bleibe durch die viele Bewegung fit.
Zuhause darf Urak sich frei bewegen, wo und wie er will. Er hält sich aber meistens in meiner Nähe auf und will mir immer helfen, Dinge nach oben zu tragen. Wir spielen täglich miteinander und ich schenke ihm dann viel Aufmerksamkeit. Er apportiert gerne und sein Lieblingsspielzeug ist ein Strick, an dem er zerren kann. Oft gehen wir in den nahgelegenen Wald, wo Urak sich richtig austoben und herumrennen darf. Er trägt dann meistens etwas zwischen den Zähnen, sei es ein Ast oder ein Tannenzapfen. Manchmal treffen wir bei den Spaziergängen auch Artgenossen, mit denen Urak dann frei herumtollen darf.
Urak ist ein sehr lieber und folgsamer Hund. Ich bin mir sicher, dass wir noch viele schöne Jahre miteinander verbringen werden.
Die Schritte, die ich durchlaufen musste, um Urak zu erhalten, wurden auf einem Film dokumentiert, den Sie sich hier anschauen können.